Walther Fürsts und Stauffachers Hände fassend:
Drum haltet fest zusammen - fest und ewig -
Kein Ort der Freiheit sei dem andern fremd -
Hochwachten stellet aus auf euren Bergen,
Dass sich der Bund zum Bunde rasch versammle -
Seid einig - einig - einig -
Er fällt in das Kissen zurück - seine Hände
halten entseelt noch die andern gefasst. Fürst und Stauffacher
betrachten ihn noch eine Zeitlang schweigend, dann treten sie
hinweg, jeder seinem Schmerz überlassen. Unterdessen sind
die Knechte still hereingedrungen, sie nähern sich mit Zeichen
eines stillern oder heftigern Schmerzens, einige knieen bei ihm
nieder und weinen auf seine Hand, während dieser stummen
Szene wird die Burgglocke geläutet.
Rudenz zu den Vorigen.
Rudenz rasch eintretend:
Lebt er? O saget, kann er mich noch hören?
Walther Fürst deutet hin mit weggewandtem
Gesicht:
Ihr seid jetzt unser Lehensherr und Schirmer,
Und dieses Schloss hat einen andern Namen.
Rudenz erblickt den Leichnam und steht von heftigem
Schmerz ergriffen:
O güt'ger Gott - Kommt meine Reu zu spät?
Konnt er nicht wen'ge Pulse länger leben,
Um mein geändert Herz zu sehn?
Verachtet hab ich seine treue Stimme,
Da er noch wandelte im Licht - Er ist
Dahin, ist fort auf immerdar, und lässt mir
Die schwere unbezahlte Schuld! - O saget!
Schied er dahin im Unmut gegen mich?
Stauffacher:
Er hörte sterbend noch was Ihr getan,
Und segnete den Mut, mit dem Ihr spracht!
Rudenz kniet an dem Toten nieder:
Ja heil'ge Reste eines teuren Mannes!
Entseelter Leichnam! Hier gelob ich dir's
In deine kalte Totenhand - Zerrissen
Hab ich auf ewig alle fremden Bande,
Zurückgegeben bin ich meinem Volk,
Ein Schweizer bin ich und ich will es sein
Von ganzer Seele -- (Aufstehend.) Trauert um den Freund,
Den Vater aller, doch verzaget nicht!
Nicht bloß sein Erbe ist mir zugefallen,
Es steigt sein Herz, sein Geist auf mich herab,
Und leisten soll euch meine frische Jugend,
Was euch sein greises Alter schuldig blieb.
- Ehrwürd'ger Vater, gebt mir Eure Hand!
Gebt mir die Eurige! Melchtal auch Ihr!
Bedenkt Euch nicht! O wendet Euch nicht weg!
Empfanget meinen Schwur und mein Gelübde.
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